… ein Feld im Wald mitten im Lake District

Die Engländer nennen ihn „wild garlic“.

Das klingt nach Supermarktregal. Nach nichts Besonderem. Dabei ist es genau das Gegenteil – ein Feld voller Bärlauch im April ist einer dieser Momente, bei denen man kurz stehen bleibt und einfach nur atmet.

Wir waren zu viert – fünft – ein langes Wochenende im Lake District. Ein altes Cottage, selbst kochen, wandern, reden, schlafen. Eine dieser Gruppen, die sich schon lange kennt und trotzdem immer wieder jemand Neues mitbringt. Das Wochenende war eigentlich schon perfekt, bevor wir das Feld entdeckt haben.

Und dann, irgendwo zwischen zwei Hügeln, dieser Geruch.

Wer Bärlauch kennt, weiß sofort was das ist. Würzig, grün, fast ein bisschen wild. Wir haben gesammelt, so viel wir tragen konnten – und am Abend im Cottage stand fest: das wird morgen Frühstück.

Warum Bärlauch jetzt

Bärlauch hat in Deutschland Saison von März bis Mai, je nach Region und Wetterlage. Er wächst in feuchten Laubwäldern, oft in großen Teppichen, und riecht schon von weitem nach Knoblauch. Die Blätter sind glatt und hellgrün – wer ihn das erste Mal sammelt, sollte sich sicher sein, dass er ihn von Maiglöckchen und Herbstzeitlose unterscheiden kann. Im Zweifel: einfach ein Blatt zwischen den Fingern zerreiben. Bärlauch riecht eindeutig nach Knoblauch. Die anderen nicht.

Wer keinen Wald in der Nähe hat: auf Wochenmärkten und in Bioläden ist er jetzt überall zu finden.

Zwei Rezepte, eine (große) Handvoll Blätter

Aus unserem Lake-District-Fund sind damals zwei Dinge geworden: ein cremiger Aufstrich und ein einfaches Pesto. Beides zusammen braucht eine gute Handvoll Bärlauch und etwa zwanzig Minuten.

Bärlauch-Aufstrich

Zum Frühstück aufs Brot. Zu Ofenkartoffeln. Auf geröstetem Sauerteig mit einem Ei. Er hält sich im Kühlschrank gut drei bis vier Tage – wenn er so lange überlebt.

Zutaten

  • 200 g Frischkäse (Doppelrahm oder Magerfrischkäse, je nach Geschmack)
  • 1 gute Handvoll frischer Bärlauch (ca. 30-40 g)
  • 1 EL Olivenöl
  • Salz & frisch gemahlener Pfeffer
  • Optional: ein Spritzer Zitronensaft

Zubereitung

Bärlauch waschen, trocken schütteln, grob hacken. Mit dem Frischkäse, dem Olivenöl und etwas Salz und Pfeffer verrühren. Wer mag gibt noch eine fein geriebene Knoblauchzehe dazu – aber probier erst ohne, der Bärlauch ist kräftiger als er aussieht.

Im Kühlschrank eine Stunde durchziehen lassen. Dann schmeckt er runder, tiefer, besser.

Bärlauch-Pesto

Zu Pasta, zu geröstetem Brot, als Dip, als Basis für Salatdressing. Oder einfach so, mit einem Löffel, direkt aus dem Glas – im Cottage hat das niemand verurteilt.

Zutaten

  • 2 gute Handvoll frischer Bärlauch (ca. 60-80 g)
  • 50 g Pinienkerne (oder Walnüsse, Sonnenblumenkerne – was da ist)
  • 60-80 ml gutes Olivenöl
  • Saft einer halben Zitrone
  • Salz & Pfeffer
  • Optional: 2 EL geriebener Parmesan

Zubereitung

Pinienkerne in einer trockenen Pfanne kurz anrösten, bis sie goldbraun duften. Abkühlen lassen.

Bärlauch waschen, grob zerreißen. Mit den Pinienkernen, dem Olivenöl und dem Zitronensaft in einen Mixer oder Zerkleinerer geben. Nicht zu fein – Pesto darf Textur haben. Mit Salz, Pfeffer und Parmesan abschmecken.

In ein sauberes Schraubglas füllen, mit einer dünnen Schicht Olivenöl bedecken. So hält es sich im Kühlschrank gut eine Woche.

Das Frühstück danach

Am nächsten Morgen, und am übernächsten, stand beides auf dem Tisch. Aufstrich und Pesto, Brot, Butter, Kaffee. Draußen der Lake District, drinnen dieser Geruch, der uns noch mal kurz zurückbrachte in das Feld vom Vortag.

Das ist das Schöne an selbst gesammelten oder selbst gemachten Dingen: Sie holen einen Moment zurück, jedes Mal wenn man den Kühlschrank öffnet.

Wild garlic. Die Engländer haben es schlicht benannt.
Wir nennen es Bärlauch – und meinen damit etwas ganz anderes.

Bärlauch hat Saison bis Ende Mai – jetzt ist der richtige Moment.

Was sonst gerade frisch ist: Was jetzt Saison hat
Und wer Lust auf mehr aus dem Frühlingsgarten hat: Bunter Frühlingssalat